Boule:

Philosophisches, Sprüche, Gedanken, Informationen, Regeln, Links, Kugeln... 

  


 

Denn um es endlich einmal heraus zu sagen,

der Mensch spielt nur,

wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist

und er ist nur da ganz Mensch,

wo er spielt.

 

 (F. Schiller)

 

 

Boule ist leicht zu spielen,

und schwer zu gewinnen!!!!!

 

 

Boule-Spieler sind sowohl die friedliebendsten

als auch die verrücktesten Menschen der Welt.

Honoré de Balzac

 


 

Wenn die Akustik nicht stimmt,

haut die Ballistik auch nich hin!

 

Faxo von Stövhase    Boulelegende aus Schwerin

 


 

Papazian ist Philosoph. Eine Berufsbezeichnung, die der Mensch im Süden Frankreichs auch ohne Studium führen kann. Eine dunkelgraue Baskenmütze beschattet sein zerfurchtes Gesicht. Er sitzt auf einer Bank unter Platanen auf der Place des Lices. Die Zigarette hält er in der linken Hand, als wollte er sie wiegen. In der rechten liegen zwei Eisenkugeln. Sie sind mit Kratzern und Kerben übersät. "Es gibt zwei Sorten von Männern", sagt Papazian. Er zieht an der Zigarette. Kunstpause. "Die einen hetzen auf dem Rasen wie die Verrückten dem Ball hinterher." Bon. "Die anderen ..." Er lächelt, so wie die Alten nun mal lächeln, die aus Erfahrung klug geworden sind: "Die anderen schieben lieber eine ruhige Kugel."

Voila, c'est ca. Das ist Boule.

 

Unternehmen wie Mercedes-Benz oder L'Oreal schicken ihre Führungskräfte zu Papazian nach St-Tropez. Er gibt den gestressten Managern, Handelsvertretern oder Ingenieuren zuerst die Kugel und lehrt sie dann, dass Boule "ein Spiel für die Seele" ist. Eine entspannte Lebensart. Ihr Geheimnis, so Papazian, laute: Erlerne die Ruhe des Südens! Überlass die Adrenalinschocks den Verrückten! Entspanne im gemütlichen Wettstreit!

 

 

Anders gesagt: Boule ist die konsequente Fortsetzung des Savoir-vivre.

Das Schauspiel beginnt. Raymound der Poet tritt auf. Seine Glatze bedeckt eine beigefarbene Schiebermütze, die er niemals absetzt. Warum die anderen ihn so nennen? Weil er ein Idealist ist, dem die Schönheit des Spiels über alles geht. Was er wirklich macht? Ist doch egal. Auf die Place des Lices kommen die Menschen, um zu vergessen, was sie wirklich machen.

 

Raymound steht im Abwurfkreis wie im Scheinwerferlicht. Er setzt sich in Pose. Raymound ist ein "pointeur", einer, der das gefühlvolle Legen der Eisenbälle möglichst nah an die kleine Zielkugel beherrscht, an das "cochonnet", das Schweinchen. Raymound streichelt seine Kugel, lässt sie locker in der Hand kreisen, um sie dann mit traumhafter Sicherheit einen Zentimeter neben die hölzerne Sau zu platzieren.

 

 

Das ist vom Gegner kaum besser zu machen. Also muss Raymounds Kugel aus dem Weg geschossen werden. Noïl muss ran. Er ist der wortkarge Sprengmeister, im Boule-Jargon "tireur" genannt. Die kompliziertesten Kugelstellungen bombt er mit einem einzigen Wurf auseinander. Meist hält er seine rissigen Hände vor seiner Gürtelschnalle gekreuzt und beobachtet mit zusammengepressten Lippen die Partie. Erst wenn er gebraucht wird, lebt er auf. Er haucht kurz in seine geballte Hand. Dann tritt er an. Bei ihm sieht der Wurf so aus, als schmeiße er eine Handgranate in den feindlichen Graben.

 

Noel kann jedoch mehr als nur zerstören. Er liebt es, den schwierigsten aller Würfe zu bringen. Diesmal hat er ihn auch noch mit einem "retro", einem Rückdrall, versehen. Seine Kugel knallt die feindliche weg; die reißt noch eine weitere mit, während Noïls Kugel plötzlich kehrt macht und auch noch zart gegen das anfangs überrundete "cochonnet" tippt - der Königswurf!

 

 

Eigentlich ist Boule ein einfaches Spiel, kompliziert ist nur die Taktik. Die einen legen eine Kugel nahe ans Ziel, die anderen müssen entweder dichter ran oder die gegnerische wegschießen - aus dieser simplen Konstellation ergeben sich die vielfältigsten Möglichkeiten. Hier beginnt der so beliebte Boule-Ritus: fragen, schauen, beurteilen. Wie gut liegt die Kugel des Gegners? Legen oder schießen? Dann erst die Entscheidung, die Konzentration, der Wurf. Das "bien joue", der Jubel. Oder das "merde", das Lamentieren.

 

Während Papazian seine Kugel mit dem Lappen vom Staub säubert und sich auf seinen Wurf vorbereitet, lassen die anderen ihre Murmeln aus Eisen in den Händen aneinander klacken. Eine geradezu sinnliche Untermalung. Jeder hält die Kugeln auf seine Weise. Aber eines ist ihnen allen gemeinsam: Sie sind zärtlich zu ihren Spielgeräten. Die Finger tasten gedankenvoll die Rundungen ab. Niemals legen sie ihre Kugeln beiseite. Es hat schon etwas Machohaftes, wie sie ihre Boulekugeln behandeln. Eben noch liebevoll von allen zehn Fingern umworben, Sekundenbruchteile später Bombe, Rammbock, Geschoss.

 

Papazian bringt sich in Stellung. Er lässt seine Kugel durch die Finger gleiten und beschwört die magische Freundschaft zwischen Hand und Eisen: "Ist die nicht da, kann man auch nicht gut spielen."

 

Papazian ist ein Künstler, der die graziösesten Würfe inszeniert. Der Verlauf der Kugel spiegelt sich in seiner Mimik wider. Er möchte, dass sie seiner Stimme gehorcht. Er beschleunigt oder bremst ihren Lauf. Er feuert sie durch Gesten an und treibt sie durch Schulterbewegungen nach vorn. Er mäßigt sie mit der Hand; auf Zehenspitzen tänzelnd, mit ausgestreckten Armen verleiht er seinem Körper die eigenartigsten Bewegungen. Es scheint, als sei seine Seele in die Kugel gewandert - der Eisenball rollt so nah an das "cochonnet", dass nicht mal ein Blatt Papier dazwischenpasst. Papazian ist mal wieder von sich selbst überwältigt. Er reißt die Arme hoch: "Ich bin ein Siegertyp!"

Einige Minuten später gratuliert er seinen Gegnern, weil er die letzte Kugel "verlegt" hat..

 

Schwer zu sagen, ob Boule ein Sport, eine Weltanschauung oder doch nur ein Spiel ist. Oder schlicht ein "amusement", wie Jean meint.

Noïl, Raymound, Jean und Papazian stehen in "Le Cafe" an der Theke. Sie schwärmen von ihrer Leidenschaft. Jeder könne mitmachen: der Übergewichtige, der Untrainierte, sogar der Unsportliche. Das mache Boule so liebenswert - und zum demokratischsten aller Spiele. "Boule ...", sagt Papazian. Bevor er weiterredet, genehmigt er sich erst mal einen Schluck von seinem Petit Rouge.

 

"Boule will dich so, wie du bist."

 

(Fundstück)

 

 

Davor ist besser als dahinter,

schrieb schon Paulus an die Korinther.

 

Frazy-Frasier-Fanzy -Frobbit Kugelschild aus Segeberch

 

 

Das Boulespiel ist gut gegen Rheuma

und alle möglichen anderen Leiden,

und es ist für Menschen aller Altersstufen geeignet,

vom Kind bis zum Greis.

 

Francois Rabelais (Schriftsteller und Humanist)

 

Es heißt, man müsse neue Kugeln mindestens eine Nacht mit ins Bett nehmen.

Das Schweinchen in die Mitte, die drei Kugeln drumherum,

damit sie sich aneinander gewöhnen.

Wenn man sie nicht enttäusche, blieben sie Jahrzehnte treu.

 

(Fundstück)

 

 

Wenn du auch mal einen Mangel an Selbstvertrauen empfindest, nimm deine Kugeln und spiele an der Grenze deiner Fähigkeiten, und du wirst dein Selbstvertrauen zurück erlangen. Auf der anderen Seite, solltest du dich jemals allzu sicher fühlen oder hochmütig sein, musst du nur über die Grenze deiner Fähigkeiten hinausgehen. Ein paar Mal auf 10 Meter daneben schießen, oder das Verlegen auf einem sehr schwierigen Terrain wird dich rasch wieder bescheiden machen. Gewinnen ist nicht immer das Maß aller Dinge. Erfreue dich auch an einem spannenden, mit höchsten Einsatz und Können geführten Spiel, das den Ausgang zweitrangig erscheinen lässt.

 

(Fundstück)

 

Ich werde nur zur Kunst des Boulens gelangen,

wenn ich vergesse,

dass ich die Kunst des Boulens beherrschen will und muss.

 

 

Das unwiderstehliche an Boule ist;

es ist ein Sport für Unsportliche

und einer,

der das Altwerden nicht zum Verfalldatum macht,

dem Alter Würde, ja Grazie lässt.

 

(Fundstück)

 

 

Boule vereint:

Leidenschaft, Faszination, Präzision, Konzentration, Meditation,

Überraschung, Sinnlichkeit, Herausforderung, Kreativität, Kommunikation,

Lebenslust und Fingerspitzengefühl.

 

 

Eine schlecht gelegte Kugel ist nicht so gravierend,

wie ein taktischer Fehler.

 

 

Es gibt zwei Sorten von Männern.

Die einen hetzen auf dem Rasen wie die Verrückten dem Ball hinterher,

die anderen schieben lieber eine ruhige Kugel.

 

Papazian (franz. Philosoph

 

 

Die Boule-Wettkampf-Kugeln:

 

Gewicht 680 bis 800 Gramm

Durchmesser 70,5 bis 80 mm

Mit Gewichtsangabe auf der Kugel

 

Mit eindeutiger Nummerierung auf der Kugel

Aus unterschiedlichem Metall

Unterschiedlich hart

Mit unterschiedlich Riffelungen erhältlich

 

Immer als 3er Satz 

Immer Einzigartig

Kosten je Satz ca. 60,- bis 300,- Euro

 

 

 

Die Freizeitkugeln:

Gewicht ca. 720 Gramm

Immer mit ähnliche Riffelungen

 

 

 

Ein Klick und ihr habt die offiziellen Petanque-Spielregeln

 

 

Boule ist leicht zu spielen,

und schwer zu gewinnen!!!!!

 

 

Damit beim Spiel auch wirklich alles leicht ist,

sind hier die manchmal zu hörenden Begriffe kurz erklärt:

additionner Auffüllen wenn der Gegner leer ist

arbitre Schiedsrichter

arrièreBezeichnung für den Spieler im Team, der im Normalfall die letzten Kugeln spielt (hinten)

arroser Mit Erfolg auf alles schießen (nassmachen)

assommer Mit extrem hohem Bogen die Kugel spielen

au fer Schusskugel trifft direkt, ohne vorher auf dem Boden aufzusetzen (auf Eisen)

balayer Verbotene Form des Präparieren der Spielfläche, z.B. Hindernisse entfernen, mehrere données schließen

barrage Entscheidungsspiel zur Qualifikation zur Hauptrunde in einem Wettbewerb

bâtard Unangenehm liegende Kugel

bati-bati Spieler der nicht in der Lage ist die 13 zu spielen

bec Benutzen einer Kugel, die bereits im Spiel liegt, als Bande

biberon Zielkugel und gespielte Kugel berühren sich (Schnuller)

bille Kugel mit kleinem Durchmesser

blesser Geschossene Kugel, die nicht weit entfernt liegen bleibt

bordures Kleine, leichte Turniere

brancher Unerlaubte Form durch Stören des Gegners beim Spielen (z.B. durch Bewegungen)

 

bouchon Zielkugel

boule Kugel

boulodrome Künstlich angelegtes Spielgelände

but Ziel

cadrage Ausscheidungsspiel

cadre Spielfläche, die durch Auslinien abgegrenzt ist

canard Bei Rückstand: Versuch den Gegner durch Sprüche zu irritieren

carreau Volltreffer, die Schusskugel ersetzt im besten Fall die geschossene (carreau sur place)

carré d'honneurs Herausgehobene Spielbahn auf einem Boulodrome, zum Beispiel fürs Turnierfinale

casquette Treffen einer Kugel von oben, "auf die Mütze"

chiffon Wischlappen

ciseau Scherenschuss

cochonnet Ziel (Schweinchen)

contre Konterschuss

contre sec Konterschuss, bei dem die Eigene gekontert wird

concours Wettbewerb

cornichon  Ziel (Gürkchen)

crochet Festgehaltene Kugel die deshalb zu kurz gespielt wird

défendre le point Gut gelegte Kugel durch Schießen verteidigen

démarquer Sich selbst einen sicheren Punkt kaputt machen

demi-portée Halbbogen

devant 1. Bezeichnung für den Spieler im Team (meist der Pointeur), der im Normalfall die ersten Kugeln spielt 

2. Kugel, die direkt vor einer gegnerischen liegt und deshalb vom Gegner nur schwer aus dem Spiel geschossen werden kann.

donnée Aufschlagpunkt (vorne)

doublette Zweiermannschaft

elimination directe K.O.-System

effet Einer Kugel absichtlich eine Links- oder Rechtsdrehung mitgeben

faire un renard Einen schlechten Punkt legen (einen Fuchs machen)

fanny Ein zu Null gewonnenes Spiel

 

fer (tirer au) Eisenschuss

fuséeKugel die durchläuft (Rakete) - siehe auch "TGV"

galerie Zuschauer, Publikum, vor oder für die 'Galerie' spielen

gagnéGewonnen: Die eben gespielte Kugel hat den Punkt gemacht

gratonner Mehrfach durch Hindernisse abgelenkte Kugel

haute-portée Wurftechnik mit hohem Bogen: Die Legerkugel setzt erst kurz vor dem Schweinchen auf dem Boden auf 

interdit Verbotenes Gelände wo Kugeln und Cochonnet aus sind

jouer la gagne Die Dreizehn machen

LMMJV Trainingsweltmeister - Typen, die nur an Wochentagen ihre Leistung bringen: (Lundi, Mardi, Mercredi, Jeudi Vendredi)

lunette Zwei Kugeln mit einem Schuss entfernen (Brille)

marquer Einen oder mehrere Punkte machen

mêlée Wettbewerbsform mit zu gelosten Partnern (wörtlich: gemischt)

melons Dicke Kugeln - siehe auch "XXL"

mène Aufnahme, Durchgang

mètre Maßband, Meterband  

milieu  Mittelspieler in einer Dreiermannschaft

mort(e)  Aus - alles was außerhalb der Spielfeldbegrenzung ist

Mozart Traumhaft schön spielen

nul Wenn zwei Kugeln die gleiche Distanz zur Sau haben

nocturne Nächtliches Turnier

oreile Aufs Ohr schießen, seitlich treffen

partager Mit dem Gegner das Preisgeld teilen

palet Schusskugel, die nicht weit weg rollt

pétanque Die heute übliche Variante des Boule-Spiels, bei der - ohne Anlauf - aus dem Stand gespielt wird, im Gegensatz etwa zum Jeu Provençal

petit Ziel (Kleines)

pièce (faire la) Auslosen, welche Mannschaft anfängt

plomber Eine extrem hoch gespielte Kugel, die praktisch direkt nach der Bodenberührung liegen bleibt.

pointer Legen, die Kugel platzieren

pointeur Leger

portée Hoher Bogen

portée de lapin Völlig unkontrolliert hoch gespielte Kugel, die nicht da runter kommt wo sie sollte

poule Gruppe von drei oder vier Mannschaften, in der darum gespielt wird, wer im A - oder B - Turnier verbleibt

poule de luxe Gruppe mit mindestens drei starken Mannschaften

promenade de santé Leichte Partie

 

 

putain Oft gebrauchter Ausruf, wenn ein Wurf nicht so gelungen ist wie erwartet (Hure, Nutte)

raclette Flachschuss (Kratzer)

rafle Flachschuss

rentrer en deux Beim Legen eine eigene Kugel so anspielen, dass daraus zwei Punkte werden (Zu zweit ankommen)

rétro Schusskugel, die nach dem Aufprall zurückrollt

rond Abwurfkreis

roulette gerollte Kugel beim Legen

supermêlée Wettbewerbsform, bei der für jedes Spiel die Partner zugelost werden

table de marque Turnierleitung, dort wo man sich einschreibt und die Lizenz abgibt

tapis Spielfläche

taule Anderer Begriff für Fanny (Kittchen)

terrain libre Unbegrenztes Spielfeld

tête-à-tête Spiel zwischen zwei Einzelspielern

TGV Schnell gespielte Kugel die durchläuft (der ICE von Frankreich); - siehe auch "fusée"

tirer Schießen

tir devant Schuss vor die Kugel

tir au fer auf Eisen treffen, direkter Schuss

tireur Schiesser

tirette Messgerät (mit verschiebbarem Teilstück)

triplette Dreiermannschaft

trou Fehlschuss (Loch)

vriller Der Kugel eine starke Drehung geben, so dass sie sich fast wie ein Kreisel dreht.

wagon Sagt man zu einer Aufnahme, bei der der Gegner viele Punkte macht

XXL Nennt man extrem dicke Kugeln - siehe auch "melons"